Gartentipp des Monats

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Aus die Laus! - Blattlausresistente Salatsorten

Nichts ist ärgerlicher als die Laus im Salat! Denn meist kommt sie nicht allein, sondern bringt gleich eine Invasion ganzer Hundertschaften mit. Abhängig vom Witterungsverlauf im Frühsommer muss sich der ambitionierte Hobbygärtner mehr oder weniger intensiv mit diesem Schädlingsproblem herumschlagen. In Bezug auf Salat kann jedoch die richtige Sortenwahl Abhilfe schaffen.

Für die grüne Salatblattlaus (Nasonovia ribisnigri) ist Salat nicht gleich Salat. Seit fast 20 Jahren wurden mit Hilfe klassischer Züchtungsverfahren zahlreiche neue, blattlausresistente Sorten auf den Markt gebracht. Der Erfolg wurde ohne jede Gentechnologie erreicht, indem die Resistenz einer Wildsorte eingekreuzt wurde.

Die neue "Läusefeindlichkeit" beruht darauf, dass sich die gelbgrünen Tierchen auf den widerstandsfähigen Sorten nicht vermehren können. Die Laus besucht zwar den Salatkopf, bleibt kurze Zeit, fliegt dann aber weiter, ohne Pflanzensaft gesaugt zu haben.

Eine weitere Methode, Blattläuse regelrecht auszubremsen, ist die Pflanzung von rotlaubigen Salatsorten. Dabei sind nur die äußeren, sonnenbeschienenen Blätter rot gefärbt. Im Herzen des Salatkopfs sind sie zartgelb und knackig wie gewohnt. Was hält also die lästigen kleinen Sauger dann davon ab, die roten Köpfe zu befallen?

Bei rotlaubigen Salaten vergeht Blattläusen der Appetit

Um das zu verstehen, muss man mit den Augen einer Laus sehen lernen! Läuse fliegen nämlich auf frisches Gelbgrün - die Farbe junger Blattaustriebe im Frühjahr. Rot ist dagegen eine Herbstfarbe. Für die Laus heißt das: alte, harte Blätter, an denen sie sich den Saugrüssel ausbeißt. Rote Blätter sind also unattraktiv und werden gemieden. So einfach ist das.

Für das menschliche Auge dagegen bieten ein paar rote Köpfe zwischen den Grünen etwas Abwechslung im Gemüsegarten und auf dem Teller.

Praktische Anbautipps für Kopfsalat:

  • Zweckmäßig ist es, immer nur kleine Stückzahlen anzubauen und alle 2 bis 3 Wochen fortlaufend neu zu pflanzen, um eine kontinuierliche Ernte zu erhalten.
  • Abdeckung mit Vlies bringt im zeitigen Frühjahr eine Ernteverfrühung von bis zu 4 Wochen.
  • Abdeckungen (Folie, Vlies oder Netze) sollten ab Juni abgenommen werden, um einen Hitzstau zu vermeiden. Ist es dem Salat zu heiß, bildet er keine Köpfe!
  • Gegen Läuse helfen Netzabdeckungen nicht, da sie sie nicht völlig zurückhalten können. Schlimmer noch: Netze behindern den Anflug von Nützlingen wie z.B. Marienkäfern, Schlupfwespen oder Florfliegen. Läuse, die sich eventuell bereits unter dem Netz befinden, können sich ungehindert ausbreiten.
  • Die Salatpflanzen müssen nach der Pflanzung "wie eine Fahne im Winde wehen". Eine zu tiefe Pflanzung fördert die Salatfäule auf der Kopfunterseite. Es empfiehlt sich daher, Jungpflanzen mit Erdpresstöpfen zu verwenden. Die Erdpresstöpfe sollten nach dem Angießen zur Hälfte aus der Erde ragen.

Neue Salat-Sorten besitzen zusätzliche Resistenzen gegen die aktuellen Rassen des Falschen Mehltaus und gegen Viruskrankheiten. Die Resistenzen sind für den Verbraucher unschädlich!

Blattlausresistente Sorten sind zum Beispiel:

  • Kopfsalat: 'Casanova' - 'Jiska' - 'Estelle'
  • Eissalat: 'Fortunas' - 'Lerinas'
  • Eichblatt: 'Smile'
  • Batavia: 'Rosinski'
  • Lollo Bionda: 'Onyx'
  • Lollo Rossa: 'Solsun'

Neu im Trend sind auch Sorten, die aus erntefähigen Salatherzen mit gleich großen Blättern bestehen. Sie werden bereits unter der Bezeichnung ’Multileaf-Salat’ in den Supermärkten verkauft. Diese Salatherzen kommen der neuen Convienient-Küche sehr entgegen, da der Salatkopf mit einem Schnitt durch das Herz in gleich große Blätter zerfällt und sofort küchenfertig zubereitet ist. Empfehlenswerte Sorte ist hier ’Virtuose’.

Ebenfalls neu ist der "Krulsalat" oder Kraussalat. Es handelt sich um eine Züchtung aus Eichblattsalat mit Eissalatblut. Er besitzt ein etwas härteres Blatt und trotzt dadurch eher Schädlingen und Krankheiten. Der Typ ’Novita’ ist empfehlenswert.

Batavia-Salat

Besser als der allseits bekannte Eissalat eignet sich für den Eigenanbau der Batavia-Salat. Im Gegensatz zum Eissalat, dessen eng geschlossene Köpfe bei ungünstigen Witterungsbedingungen schnell faulen, ist dieses Risiko durch die offene Blattstellung des Batavia-Salats weitestgehend gebannt.

Die Geschichte des Salats reicht runde 4000 Jahre zurück. Sein Ursprung liegt in der Pflanzenfamilie der Lattiche (Lactuca), deren wilde Vertreter wir als widerstandsfähige Kräuter an Wegrändern, auf Schuttflächen oder Wiesen kennen. Im Altertum wurden wilde Lattiche zu medizinischen Zwecken verwendet, allerdings waren auch schon zu römischer Zeit Varianten des Lattichs zur Ergänzung der Speisekarte in Gebrauch.

Kompass-Lattich (Lactuca serriola)

Ein naher Verwandter des Gartensalats ist der Kompass-Lattich. Die robuste Wildpflanze hat eine erstaunliche Anpassung an Extremstandorte entwickelt: Wenn die Sonne am heißesten brennt - um die Mittagszeit also - macht er sich "dünn". Indem er seine Blätter hochkant exakt in der Nord-Süd-Achse ausrichtet, bietet er der intensiven Mittagssonne die denkbar kleinste Angriffsfläche. Auf diese Art setzt der Kompass-Lattich effektiv die Verdunstung herab und spart somit Wasser. Am Morgen und am Abend dagegen kann die findige Pflanze bei milderen Temperaturen die volle Ausbeute des schräg einfallenden Sonnenlichtes genießen. Ganz nebenbei verrät das wenig beachtete Wildkraut wie ein lebender Kompass einem aufmerksamen Betrachter, wo Norden ist. Daher sein deutscher Name.

Derartige Tricks hat der allseits bekannte Gartensalat natürlich nicht auf Lager, weshalb bei großer Sommerhitze immer eine ausreichende Wasserversorgung sicher gestellt sein sollte.

Blühender Salat

Die alte Verwandtschaft wird dann wieder sichtbar, wenn man den Salat zur Blüte kommen lässt. Ganz wie die wilden Lattiche bildet er einen hohen Blütenstand mit zahlreichen kleinen blassgelben Korbblüten. Sobald der Salat "schiesst", also seine kompakte gedrungene Wuchsform verliert und beginnt, den Blütenstand auszubilden, ist er für den Verzehr nicht mehr geeignet, da sich der Anteil der unangenehm schmeckenden Bitterstoffe in der Pflanze erhöht.

Doch kein Grund zum Ärgern: Versuchen Sie doch einfach einmal, Ihren Salat zur Selbstaussaat zu verlocken! Aus den gelben Blüten entwickeln sich winzige "Pusteblumen", die ihre Fracht über einen Radius von einigen Metern Gemüsegarten verteilen. Mit ein wenig Glück und Geschick können Sie im folgenden Frühjahr die zarten Salatsämlige vereinzeln, umpflanzen und neuen Gartensalat heranziehen. Das funktioniert am besten mit alten, samenfesten Sorten, die offene Blattrosetten ausbilden. Eng gerollten Kopfsalat muss man unter Umständen mit einem Messer einschlitzen, um zu verhindern, dass der Blütenstand in der Pflanze "stecken" bleibt und verfault.

 

Fotos: Claudia Kühnel, Alexandra Klemisch