Gartentipp des Monats

Blumenwiesen und Blühflächen mit heimischen Wildblumen können auch im Hausgarten gedeihen und dort wertvollen Lebensraum für Bienen und viele andere heimische Tierarten bieten. Hier finden Sie Tipps zur Anlage Ihrer Blumenwiese!

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Hier blüht's! - Blumenwiese im Hausgarten

Üppig blühende Blumenwiesen verkörpern das Idealbild der intakten Natur. Sie sind bunt, vielfältig und lebendig. Ihr wilder Charme macht sie zum Sinnbild von Sommerstimmung und Fröhlichkeit. Der Lebensraum Wiese bietet unzähligen heimischen Tierarten Nahrung, Unterschlupf und Wohnquartier. Warum also nicht diesen wertvollen ökologischen Baustein im eigenen Hausgarten anlegen, und sei es auch nur auf kleinem Raum?

Salbei-Glatthafer-Wiese in der Fränkischen Schweiz

Was ist eine Blumenwiese?
Eine Blumenwiese ist ein Baustein unserer heimischen Kulturlandschaft. Sie ist aus der traditionellen Landwirtschaft entstanden. Böden, die nicht für den Anbau von Feldfrüchten genutzt werden konnten, weil sie zu nährstoffarm, zu feucht oder zu steil geneigt waren, wurden seit jeher als Grünland genutzt. Hier machte der Bauer Heu oder ließ seine Schafe grasen. Dort konnten sich Lebensgemeinschaften von Pflanzen und Tieren bilden, die sich durch ihren großen Artenreichtum auszeichnen, also sehr "bunt" blühen.

Blumenwiese im Hausgarten - Worauf kommt es an?
Vier Faktoren entscheiden, ob in einem Hausgarten eine Blumenwiese gedeihen kann:
1.    Lichtverhältnisse
2.    Bodenverhältnisse
3.    Auswahl des passenden Saatgutes
4.    Pflege und Nutzung

Blumenwiesen brauchen einen sonnigen Standort

Wieviel Licht braucht die Blumenwiese?
Bunt blühende Wiesenblumen brauchen viel Sonne. Zwar gibt es auch Arten, die im Halbschatten noch gedeihen, doch die größte Vielfalt stellt sich auf voll besonnten Standorten ein. Auch die Insekten, die als Bestäuber arbeiten, tummeln sich am liebsten da, wo es warm und sonnig ist. Ideal sind Bereiche im Garten, die bereits am Morgen die ersten Sonnenstrahlen tanken können.

Fettwiese mit Löwenzahn und Butterblumen

Was ist "guter" Boden?
Bis auf seltene Fälle in besonderen Ortslagen sind Böden in Hausgärten eher nährstoffreich. Auf lehmigen Ackerböden entstanden, über Jahre mit Rasendünger und Kompost gefüttert und von stolzen Gemüsegärtnern und Rosenfreunden als "guter" Boden gelobt, bieten unsere Hausgärten oft denkbar schlechte Ausgangsvoraussetzungen für die Anlage einer Wildblumenwiese. Denn die buntesten und vielfältigsten Artengemeinschaften finden sich auf nährstoffarmen Böden ein.

Wer unter diesen Voraussetzungen eine Blumenwiese anlegen will, hat zwei Möglichkeiten:
1. Damit leben und das Beste daraus machen. Sogenannte "Fettwiesen" erfreuen zumindest im Frühjahr mit einer üppigen Blüte von Löwenzahn, Wiesenschaumkraut und Butterblumen und haben damit durchaus ökologischen Wert. Wer nach jeder Mahd das Grüngut entfernt und konsequent auf jede Art von Düngung verzichtet, wird nach Jahren feststellen, dass der Artenreichtum zunimmt.
2. Den Boden vor Anlage der Blumenwiese großflächig durch das Abtragen von Oberboden oder das Einbringen von nährstoffarmen, sandig-kiesigen Substraten abmagern. Der große Aufwand lohnt, wenn man sofort eine bunte Blütenvielfalt genießen will. Achtung: Bei sehr großen Flächen in der freien Landschaft brauchen Sie hierfür eine gesonderte Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde!

Eine gute Alternative ist es, mit Hilfe von Bruchsteinen auf einer kleineren Fläche ein mit magerem Boden gefülltes Hochbeet oder Hügelbeet anzulegen, das dann sogar Nischen und Schlupfwinkel für Eidechsen und andere Tiere bietet. Außerdem benötigen viele Wildbienen offenen, sandigen Boden, um ihre Erdnester anzulegen.

Die Rosen-Malve passt gut ins Blumenbeet

Tipp: Wildblumen im Blumenbeet verwenden
Ein paar heimische Wildblumen lassen sich in jedem Garten ansiedeln. Einige eignen sich sogar hervorragend für die Kultur im Blumenkasten oder in der altbekannten Staudenrabatte. Wer also die Blumenwiese im Ganzen nicht unterbringt, kann auch mit kleinen Schritten etwas für Insekten auf Nahrungssuche tun. Geeignet sind zum Beispiel verschiedne Arten von Malven, Wiesen-Salbei, Glockenblumen, Akelei, Majoran, Thymian, Storchschnabel, Flockenblumen, Königskerzen oder Margeriten.

Was ist das "richtige" Saatgut?
Um das passende Saatgut für einen Standort zu finden, sollten zunächst die Bodenverhältnisse bekannt sein: Ist der Boden lehmig und schwer, also nährstoffreich, oder ist er sandig, kiesig, eher mager und wasserdurchlässig? Ist er feucht oder trocken? Ist er besonders kalkhaltig (= hoher pH-Wert), ist er eher neutral oder sogar sauer?

Wer diese Einschätzung für seinen Hausgarten im Kopf hat, kann auf der Grundlage auswählen, welche Blumenmischung für seinen Boden genau die passende ist. Gute Saatgutproduzenten bieten zu ihren unterschiedlichen Mischungen auch eine Beschreibung der Standortvoraussetzungen.

Ein kurzer Blick auf die gesetzlichen Vorgaben: Innerörtlich, also im Hausgarten, darf grundsätzlich ausgesät werden, was dem Gartenbesitzer gefällt. Außerhalb der Ortsgrenze, in der freien Natur, darf laut Bundesnaturschutzgesetz nur gebietsheimisches Saatgut ausgebracht werden, das entsprechend zertifiziert sein muss. Eine Ausnahme gilt auf landwirtschaftlichen Flächen, sofern die Einsaat einem Produktionszweck dient, z.B. Energiepflanzen-Mischungen für Biogasanlagen. In Blühmischungen, die auf Äckern als Zwischenbegrünung ausgebracht und nach einer gewissen Standzeit wieder umgebrochen werden, dürfen auch nicht heimische Kulturarten enthalten sein.

Aber natürlich gilt auch für den Hausgarten: Bevorzugen Sie Mischungen, die aus heimischen Wildarten bestehen!

Aussaat
Der ideale Zeitraum für die Anlage einer Blumenwiese reicht von März bis Mai und von September bis November. In diesen Monaten begünstigt in der Regel eine feucht-kühle Witterung das Keimen und Aufwachsen des ausgebrachten Saatgutes.

1. Boden vorbereiten

Die besten Erfolge erzielt man bei der Aussaat auf Standorten, auf denen nicht bereits anderes Saatgut oder sogar hartnäckiges Wurzelunkraut auf seine Chance lauert. Befreien Sie Ihren Blumenwiesenstandort also so gut es geht mit mechanischen Mitteln von unerwünschten Beikräutern. Dazu kann es sinnvoll sein, den bereits vorbereiteten Boden einige Wochen liegen zu lassen, um die zuerst aufkeimenden Wildkräuter noch einmal zu entfernen, bevor es tatsächlich an das Aussäen der Blumenwiese geht.

2. Saatgut ausbringen

Ist der Boden sehr mager, ist es hilfreich, zunächst eine sehr dünne Schicht Kompost auszubringen. Diese Starthilfe ermöglicht es den Keimlingen, besser Fuß zu fassen. Der Kompost sollte natürlich frei von anderen Wildkrautsamen oder Wurzelunkräutern sein.

Auf das feinkrümelig vorbereitete Saatbett wird breitwürfig das Saatgut ausgebracht. Dabei ist es wichtig, die vom Hersteller empfohlene Saatgutmenge für die Fläche genau einzuhalten. Meist sind das nur 2 bis 5 Gramm pro Quadratmeter. Damit nicht versehentlich zu viele Samenkörner nebeneinander landen und sich gegenseitig beim Aufwachsen behindern, kann man die sehr geringen Saatgutmengen mit trockenem Sand mischen, denn das erleichtert das Ausstreuen.

3. Saatgut anwalzen oder festdrücken

Nach dem Aussäen das Saatgut nur andrücken, auf keinen Fall tief einarbeiten! Viele Wildblumen sind Lichtkeimer, das bedeutet, ihre Samen benötigen zum Keimen Tageslicht und müssen oben auf der Erde liegen bleiben. Damit es nicht weggeweht wird oder austrocknet, kann man das Saatgut nach dem Ausstreuen leicht anwalzen oder behutsam fest treten.

Besonders bei der Anlage im Frühjahr empfiehlt es sich, die Fläche feucht zu halten, damit frisch aufgekeimte Sämlinge optimal starten können. Bei größeren Wiesenflächen, vor allem in der freien Landschaft, muss man sich ein wenig auf das Wetterglück verlassen.

Blühstreifen für Nützlinge im Gemüsegarten

Tipp: Blühstreifen im Gemüsegarten
Wer in seinem Nutzgarten einen Blühstreifen aus ein- und zweijährigen Wild- und Feldblumen anlegt, bietet zahlreichen Nützlingen Nahrung und Unterschlupf. So werden Schädlinge auf natürliche Weise in Schach gehalten.

Pflege und Nutzung
Eine Blumenwiese, soviel muss uns klar sein, ist keine Liege- oder Spielwiese. Bis zur Mahd ist die Benutzung der Fläche tabu, denn einmal nieder getrampelte Blumen und Gräser stehen nicht wieder auf. Wer in seinem Hausgarten ausreichend Bewegungsraum hat, kann zumindest einen Teil seiner grünen Oase als Blumenwiese anlegen und vor spielenden Kindern oder herumtollenden Hunden abschirmen.

Der erste Mahdtermin sollte nicht vor Mitte Juni, besser im Juli oder August liegen. Je später die Wiese gemäht wird, desto besser. Es gilt aber auch: Es wird gemäht, bevor die langen Gräser und Blumen durch ihr Eigengewicht umfallen. Unter dicken Lagen von Altgras verkümmern lichtbedürftige Pflanzen und der Gärtner riskiert einen Rückgang der Artenvielfalt. Bei sehr nährstoffreichen Wiesen, die stark wachsen, darf auch zweimal gemäht werden. In der Landwirtschaft liegt die zweite Mahd aus Nutzungsgründen meist im September, im Hausgarten darf sie aber ruhig auch erst im zeitigen Frühjahr erfolgen. In vertrockneten Stengeln, die den Winter über auf der Wiese stehen, reift die Brut von Wildbienen oder anderen Insekten heran. Dem gleichen Zweck kann auch ein Randstreifen dienen, den man bewusst von der sommerlichen Mahd ausspart.

Für unerfahrene Blumenwiesen-Gärtner mag es einiges an Überwindung kosten, mit der Sense oder dem Balkenmäher einer Wiese zu Leibe zu rücken, die gerade im Juli so schön blüht! Dann hilft es, sich an den Bauern früherer Zeiten ein Beispiel zu nehmen. Sie mähten das, was mit der Handsense zu schaffen war - ein eher langsamer Vorgang, der vielen Tieren genug Zeit zum Ausweichen ließ. Dann wurde das Heu auf der Wiese getrocknet, das heißt, bereits gereifte Samen konnten vor Ort ausfallen. Schließlich wurde das Heu eingefahren und verfüttert, blieb also nicht auf der Wiese zurück. Nach der Heuernte hatten die Wildpflanzen ausreichend Zeit, wieder hoch zu wachsen und zum zweiten Mal zu blühen.

Wer auf diese Weise wirtschaftet, wird lange Freude haben an einer dauerhaft stabilen, blühenden Pflanzengesellschaft in seinem Hausgarten.

Wildblumen-Saumfläche am Landratsamt Bamberg

Blumenwiese Merkzettel

Standort: sonnig

Boden: nährstoffarm

Saatgut: heimische Wildpflanzen

Aussaat: März - Mai, September - November

1 x im Jahr mähen

Mähgut von der Fläche entfernen

Düngeverzicht

Hier finden Sie unser Merkblatt "Blumenwiese im Hausgarten" zum Herunterladen:

Blumenwiese im Hausgarten

Bitte nachmachen: In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen einige Beispiele für gelungene Blühflächen im öffentlichen Raum und auf privaten Grundstücken.