Gartentipp des Monats

Die Mispel ist ein außergewöhnliches Wildobst mit langer Kulturgeschichte. Es lohnt sich, sie wieder zu entdecken!

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Die Mispel - Wildobst mit Kulturgeschichte

Im Mittelalter als Obstgehölz weit verbreitet ist die Mispel heute nur noch wenigen Menschen ein Begriff. Gelegentlich begegnet sie uns als ausgefallene Dekoration in der herbstlichen Floristik, ohne dabei etwas über ihren eigentlichen Nutzen oder ihre beeindruckende Geschichte zu verraten. Dabei hat das außergewöhnliche Gehölz durchaus das Potential, zu einem echten Liebling im Hausgarten zu werden!

Ein Mispelbäumchen im königlischen Schloßpark Sanssouci in Potsdam

Eingeführt wurde die jahrtausendealte Kulturpflanze von den Römern, fand hauptsächlich im Klostergarten ihren Platz und wanderte von dort in das Umfeld ländlicher Siedlungen. In der Landgüterverordnung Karls des Großen, dem "Capitulare de villis", ist die Mispel als eine der rund 90 Nutzpflanzen genannt, die auf den Krongütern kultiviert werden sollten. Heute gilt die Mispel in Deutschland als eingebürgert und ist stellenweise verwildert in Gebüschen und Hecken anzutreffen. Ihr botanischer Name - Mespilus germanica - illustriert, wie vertraut sie einst in der heimischen Kulturlandschaft war.

Die Mispel gehört zur Familie der Rosengewächse. Von Mai bis Juni trägt der gedrungene Strauch leuchtend weiße, fünfblättrige Blüten. Zu einem breit ausladenden, malerisch knorrigen Baum wächst die Mispel nur unter besten Bedingungen heran. Meist wird sie nicht höher als sechs Meter.

Im Herbst reifen die braunen Früchte mit der charakteristischen Krone spitzer Kelchblätter

Bedeutung haben die Mispeln aufgrund ihres hohen Gerbsäureanteils zur Haltbarmachung von Wein und Most. In Wein- und Obstbaugebieten sind die wärmeliebenden Gehölze deshalb auch heute noch gelegentlich in der Feldflur zu sehen. In der Bamberger Region kommen Mispeln vor allem in der Nähe von Viereth-Trunstadt häufiger vor.

Interessant wird es im Herbst, wenn die Früchte der Mispel reifen. Sie sind rundlich-apfelförmig, etwa so groß wie ein Pingpongball und mit einer rauen, gelegentlich leicht filzigen Schale versehen. Zunächst grünlich-gelb färben sie sich bald goldig und schließlich braun. Unverwechselbar sind die weit abstehenden Kelchblätter, die der Frucht eine bizarre Krone aufsetzen. Ausgereift sind die Früchte bereits im September oder Oktober. Genießbar werden sie allerdings erst nach dem ersten Frost, der dafür sorgt, dass das steinharte Fruchtfleisch weich wird und der Zuckergehalt ansteigt.

Mispeln setzen zuverlässig Frucht an. Geerntet wird nach den ersten Frösten.

Zwar lädt die teigig weiche, bräunliche Frucht mit den fünf großen Kernen nicht unbedingt zum Rohverzehr ein, sie ist allerdings hervorragend zur Weiterverarbeitung geeignet. Werden die Mispeln vor dem Frost im festen Zustand geerntet, kann man sie kühl und trocken einlagern, bis sie weich werden. Zur Not simuliert ein kurzes Tiefgefrieren den ersten Nachtfrost. Als extravagantes Wildobst bringt die Mispel Abwechslung in die Winterküche.

Der wunderbare aromatische Eigengeschmack der Früchte kommt besonders gut bei der Weiterverarbeitung zu Fruchtaufstrichen oder Kompott zur Geltung. Kenner empfehlen, die Mispel nicht mit anderem Obst zu mischen, sondern pur zu verwenden. Auch zur Herstellung von Obstbränden eignet sich die Mispel hervorragend.

Nach den ersten Frösten wird die Frucht weich. Jetzt ist das goldbraune Fruchtfleisch bereit zur Verarbeitung.

Wer eine Mispel pflanzen möchte, sollte sich an eine spezialisierte Obstbaumschule wenden. Dort sind veredelte, großfruchtige Sorten erhältlich. Die kleinfruchtige Wildform der Mispel trägt Dornen, die Sortenauslesen sind in der Regel dornenlos. Die Mispel ist hitzeverträglich, allerdings etwas frostempfindlich. Mit trockenen Standorten kommt sie gut zurecht. Am liebsten ist dem Gehölz ein geschützter, warmer Platz auf sandig-lehmigem, kalkhaltigem Boden.