Gartentipp des Monats

Stippe und Glasigkeit schränken die Lagerfähigkeit von Äpfeln ein. In einem heißen, trockenen Erntejahr wie 2018 können diese Beeinträchtigungen der Fruchtqualität vermehrt auftreten.

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Stippe und Glasigkeit bei Äpfeln

Der Hitzesommer 2018 hat seine Spuren hinterlassen: Trotz guten Fruchtansatzes bei besten Blütebedingungen im Frühjahr haben die Obstbäume unter der langen Sommertrockenheit bei extremer Hitze so stark gelitten, dass Einbußen erkennbar sind. Besonders Äpfel werfen einen Teil ihres Fruchtansatzes notreif ab. Neben Schäden durch den Apfelwickler gibt es dieses Jahr auch vermehrt Früchte, die von innen heraus zu faulen beginnen, obwohl rein äußerlich zunächst kaum Schäden erkennbar sind.

Übeltäter ist in diesem Fall weder eine Krankheit noch ein tierischer Schädling. Stippe und Glasigkeit sind Auswirkungen einer Art Wachstumsstörung der Frucht, in deren Folge es zu rasch fortschreitender Fäulnis kommen kann.

Stippe setzt die Lagerfähigkeit von Äpfeln deutlich herab

Stippe

Um stabile Zellwände im Fruchtgewebe auszubilden, muss die Pflanze in der Frucht ausreichend Calcium einlagern. Wird dieser Prozess gestört, folgt ein Schadbild, das als Stippe bezeichnet wird: Schwache Zellwände brechen zusammen, das beschädigte Gewebe verkorkt und wird später zum Ausgangspunkt von Fäulnis.

Typischerweise ist die Stippe von außen als eine sommersprossenartige Verteilung kleiner, dunkler und meist auch eingesenkter Flecke zu erkennen, die sich dicht unter der Schale zeigen, besonders in Kelchnähe des Apfels. Schneidet man die Frucht auf, werden die braunen Stellen im Fruchtfleisch deutlich sichtbar. Frisch geerntet kann man stippige Früchte zumindest noch verarbeiten, lagerfähig sind sie allerdings nicht.

Als Ursache für die Stippe lässt sich ein Komplex vieler Faktoren ausmachen, die mehr oder weniger schwer ins Gewicht fallen können. In diesem Jahr ist sicherlich die extreme Trockenheit in Verbindung mit sehr hohen Temperaturen verantwortlich dafür, dass die Apfelbäume den Langstreckentransport des Calciums von der Wurzel bis in die Frucht nicht fehlerlos leisten konnten.

Stippe tritt ansonsten auch an den Bäumen vermehrt auf, die nur einzelne, große Früchte bei insgesamt geringem Behang tragen, oder an Bäumen, die in einer Phase des starken Wachstums - etwa nach einem harten Rückschnitt - vermehrt Calcium in die Ausbildung von kräftigen Neutrieben und Blättern stecken.

Ein Mangel an Kalk am Baumstandort ist nur äußerst selten auslösender Faktor für die Stippe. Eher noch kann ein chemisches Ungleichgewicht der Nährstoffe im Boden und in der Pflanze den Calcium-Transport behindern, etwa durch zu hohe Kalium- oder Magnesium-Gehalte. Auch eine Überdüngung der Bäume mit Stickstoff kann Calcium-Mangel in der Frucht nach sich ziehen.

Glasigkeit ist von außen nur an leichten Schatten unter der Schale zu erkennen.

Glasigkeit

Auch die sogenannte Glasigkeit hat mit einem "Unfall" im Zellgewebe zu tun. Gerade bei besonders zuckerhaltigen Apfelsorten zeigen sich in der frisch geernteten, aufgeschnittenen Frucht Bereiche im Fruchtfleisch, die durchscheinend wie Glas wirken. Meist findet sich dieses Bild in der Nähe des Kernhauses oder rings um die Gefäßbündel, die durch die Frucht verlaufen.

Ursache ist eine Ansammlung von Wasser in den Zellzwischenräumen. Werden in der Frucht Zuckerverbindungen in außergewöhnlich hoher Menge gebildet, ereignen sich osmotische Prozesse, deren Folge die Flüssigkeitsansammlung im Gewebe ist. Sauerstoffmangel, Gärung und die Bildung von Alkohol beeinträchtigen die Qualität der Frucht und setzen ihre Lagerfähigkeit deutlich herab. Auf die Glasigkeit folgt unter Umständen die sogenannte Fleischbräune, das Fruchtfleisch verdirbt.

Glasige Äpfel beginnen am Lager leicht zu faulen.

Ähnlich wie bei der Stippe ist einer der Faktoren, die den Schaden begünstigen, starke Sonneneinstrahlung bei hohen Temperaturen, denn hierdurch wird die Zuckerproduktion in der Pflanze angekurbelt. Gerät der Zuckerstoffwechsel aus dem Gleichgewicht, ist schadhaftes Fruchtgewebe die Folge.

Neben Witterungseinflüssen können auch bei der Glasigkeit Standort und Pflegezustand des Baumes eine Rolle spielen: Calcium-Mangel, geringer Fruchtbehang und unharmonisches Blatt-Frucht-Verhältnis erhöhen das Risiko, glasige Früchte zu produzieren.

Schnitt, Düngung, Sortenwahl

Die beste Vorbeugung gegen Stippe und Glasigkeit sind ausgewogene Düngung und fachgerechter Pflegeschnitt der Bäume. Außerdem spielt die Wahl der Sorten eine Rolle: Besonders anfällig für die Stippe sind erfahrungsgemäß Goldparmäne, Cox Orange, Goldrenette von Blenheim oder James Grieve, gering anfällig dagegen die Champagner Renette, Gloster, Jonagold oder Ontario. Die Glasigkeit tritt vermehrt bei Sorten auf, die besonders süße Äpfel produzieren, wie Alkmene, Cox Orange, Gloster oder Goldparmäne.