Gartentipp des Monats

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Rhabarber - Frühjahrskur pur

Rhabarber ist eines der ersten Frühlingsgemüse, das man im Garten ernten kann. Mit den ersten warmen Frühlingstagen schieben sich die dickfleischigen roten bis grünen Stängel aus dem Boden. Aus ihnen lassen sich herrlich erfrischende Kuchen oder Kompotte zaubern. Auch als Zusatz für Marmeladen z.B. mit Erdbeeren, sind sie eine wertvolle Bereicherung.

Rhabarber (Rheum rhabarberum) ist eine alte Heil- und Gemüsepflanze. Seine Blattflächen sind durch den hohen Oxalsäuregehalt nahezu giftig, die Blattstiele aber genießbar. Das Rhizom, also die unterirdischen Wurzelausläufer, werden in der chinesischen Medizin als östrogenhaltiges Heilmittel genutzt. Rhabarber wirkt abführend und entschlackend durch ’Anthrachinone’. Das sind Wirkstoffe, wie sie in Aloe oder Sennesblättern vorkommen. Sie reizen stark das Gewebe des Leber-Gallensystems und der Darmschleimhaut, was zur körperentgiftenden Frühjahrskur passt.

Ursprünglich war der Rhabarber in Ostasien beheimatet, wo er schon vor 3000 Jahren in einem Kräuterbuch erwähnt wurde. Erst mit der Erforschung und Kolonialisierung anderer Erdteile kam das Fruchtstielgemüse im 18. Jahrhundert aus England zu uns nach Mitteleuropa. Botanisch gesehen gehört der Rhabarber zu den Köterichgewächsen (Polygonaceae) und ist verwandt mit dem Buchweizen oder dem Schlingknöterich, einer bekannten Kletterpflanze. Möglicherweise geht sein Name auf das griechische Wort "barbaros" für "fremdländisch" und die alte Bezeichnung "Rha" für den Fluss Wolga in Russland zurück. Eine weitere Erklärung bestätigt, dass der Rhabarber im russischen Zarenreich schon lange vor seiner kulinarischen Nutzung in Mitteleuropa bekannt war. Die Römer sollen ihn "rheum babarum" genannt haben, weil er "von den Barbaren" kam.

Seiner Robustheit ist es zu verdanken, dass er heute in jedem größeren Gemüsegarten zu finden ist. An Boden und Klima stellt er keine großen Ansprüche. Er wächst in jedem guten Gartenboden in voller Sonne und ist dankbar für eine reichliche Gabe von abgelagertem Kompost, ca.3 l/m2 und etwas Hornmehl im zeitigen Frühjahr. Sehr hilfreich ist eine Abdeckung der Pflanze mit doppeltem Vlies ausgangs Winter, mit der man eine Ernteverfrühung um bis zu 4 Wochen erreichen kann. Im Sommer sollte mit Wasser nicht gespart werden, Hitze ohne ausreichende Wasserzufuhr lässt den Rhabarber leiden. Deshalb empfiehlt es sich, im Sommer den Wurzelbereich mit einer dünnen Mulchschicht z.B. aus Rasenschnitt zu bedecken. Eines kann Rhabarber überhaupt nicht vertragen: Stauende Nässe! Dann faulen seine dicken Wurzelrhizome und er verabschiedet sich auf Nimmerwiedersehen.

Die Neupflanzung von Rhabarber kann durch Zukauf neuer Pflanzware oder durch Teilung eines alten Wurzelstocks erfolgen. Durch die Teilung wird der Stock gleichzeitig zum Wachstum angeregt. Grundsätzlich sollte nicht wieder unmittelbar an dieselbe Stelle gepflanzt werden und eine Fruchtfolge von 5 Jahren Anbaupause eingehalten. Die günstigste Pflanzzeit ist der frühe Herbst. Die Rhizome sollten etwa 500 g schwer sein, damit sich eine kräftige Jungpflanze entwickelt, die dann erst im zweiten Standjahr das erste Mal beerntet werden kann.

 

Treiben die Pflanzen Blüten, müssen diese entfernt werden. Der Blüten- und Samenansatz schwächt die Bestockung der Pflanze. Die Blütenstängel werden nicht aus den Bodenknospen herausgedreht, wie früher immer empfohlen wurde, denn dann bleiben Tau und Regenwasser an der ausgerissenen Stelle stehen, was zu verstärkter Fäulnis im Wurzelstock führen kann. Besser ist es, die Blütenstiele über ihrem ersten Blatt abzuschneiden.

Sortenempfehlung: Zu der altbewährten rotstängeligen Sorte ’Holsteiner Blut’ kann nach wie vor geraten werden. Grundsätzlich sind rote Sorten geschmacklich besser als grüne. Durch geringere Gehalte an Frucht- und Oxalsäure sind sie süßer und weniger Nieren belastend. Außerdem treiben sie weniger Blütenstände. Eine neue rote und geschmacklich hervorragende Sorte ist ’Canada Red’. Weiter können empfohlen weden: ’Vierländer Blut’, ’Frambozen Rood’ oder ’The Sutton’.

Rhabarber kann bis Johanni (24.6.) geerntet werden, ab dann ist der Oxalsäuregehalt in den Stängeln zu hoch. Außerdem braucht der Rhabarberstock Erholung, denn er muss sich Kraftreserven für den Austrieb im nächsten Frühjahr zulegen.

Physiologisch gesehen sollte der Rhabarber nur in mäßigen Mengen und nicht täglich genossen werden, auch wenn er noch so gut schmeckt. Die in ihm enthaltene Oxalsäure entzieht dem Körper Kalzium und verbindet sich zu Kalziumoxalat, was die Zähne "stumpf" werden lässt. Dies macht ihn zum Kalziumräuber und er greift den Zahnschmelz an. Der Oxalsäuregehalt kann durch das Schälen und Blanchieren der Stängel stark verringert werden. Das Kochwasser muss dabei unbedingt weggeschüttet werden. Menschen mit Neigung zu Gicht, Rheuma, Arthritis oder Nierensteinen sollten allerdings trotzdem auf dieses Frühjahrsgemüse verzichten.

Fotos: Claudia Kühnel und pixabay.com