Gartentipp des Monats

Die Mispel ist uraltes Kulturgut und zeigt sich durch ihre Hitze- und Trockenheitstoleranz bestens für die Zukunft gewappnet. Ein echter Gewinn für jeden Hausgarten ist sie durch ihre Blüte im Mai und die aromatischen Früchte im späten Herbst. Welche Qualitäten das seltene Obst bereit hält, erfahren Sie hier.

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Die Mistel - eine alte Kulturpflanze

Auffällig sitzt sie im winterlich kahlen Astgerüst eines Laubbaumes: Die Mistel. Das beinahe bizarr anmutende Gewächs mit den weißen Beeren und dem immergrünen Zweiggerüst ist eine uralte Kulturpflanze. Bereits in den Mythen der Kelten und Germanen spielte sie eine Rolle, wurde der Götterwelt zugeordnet und zu Heilzwecken eingesetzt. Auch heute noch gilt der immergrüne Strauch als Symbol des Lebens. Eine Erinnerung an die große Bedeutung der Mistel in der Kulturgeschichte bilden die zahlreichen Bräuche, die sich vor allem im europäischen Raum bis heute erhalten haben. Das Aufhängen eines Mistelzweiges zur Weihnachtszeit ist sicherlich der bekannteste.

Mistel auf einer Winter-Linde

Die Lebensweise der Mistel stellt eine erstaunliche Anpassungsform dar: Die Pflanze siedelt sich auf größeren Gehölzen an, senkt ihre wurzelähnlichen Saugorgane in deren Leitungsbahnen und zieht von dort Wasser und Mineralsalze ab. Sie fällt damit in die Kategorie der Halbschmarotzer - denn immerhin betreibt sie mit ihren grünen Pflanzenteilen Fotosynthese, bildet also durch Umwandlung von Kohlendioxid selbst Zucker und Stärke.

In europäischen Breiten ist die weißbeerige Mistel (Viscum album) zu Hause, von der es drei Unterarten gibt. Jede Unterart ist exakt an das Spektrum ihrer Wirtspflanzen angepasst. Die Laubholz-Mistel (Viscum album ssp. album) lebt ausschließlich auf Laubgehölzarten, wobei sie sowohl heimische wie auch fremdländische Gehölze besiedelt. Besonders auf Pappeln ist sie gelegentlich in großer Zahl zu sehen. Seltener trifft man auf Misteln im Astwerk eines Nadelbaumes. Europäische Tannenarten dienen der Tannen-Mistel (Viscum album ssp. abietis) als Wirt, Kiefern und Fichten dagegen werden von der Kiefern- oder Föhren-Mistel (Viscum album ssp. austriacum) besiedelt.

Allen Mistel-Unterarten ist eines gemeinsam: Sie wachsen sehr langsam, nur wenige Zentimeter im Jahr. Im Alter erreichen die meist rundlichen Sträucher einen Durchmesser von bis zu einem Meter. Ein zu Dekorationszwecken heruntergeschnittener Mistel-Ball hat also in den meisten Fällen bereits ein Alter von zehn, zwanzig oder mehr Jahren.

Die weißen, beim Zerdrücken schleimigen Beeren der Mistel sind giftig für den Menschen, genauso wie das immergrüne, stark gegabelte Zweiggerüst mit den ledrigen, paarweise angeordneten Blättern. Verbreitet werden die Misteln durch Vögel, die im Winter die reifenden, milchig weißen Beeren als Futterquelle annehmen. Der schleimige Pflanzensaft ist ein natürlicher Klebstoff. Am Schnabel klebende Reste der Mahlzeit streifen die Vögel an Ästen ab - und transportieren so den Samen zum nächsten Wirtsbaum. Klebt der Samen auf der Rinde, kann es bis zu einem Jahr dauern, bis es dem Keimling tatsächlich gelingt, seinen Wirt "anzuzapfen".

Ein dichter Befall mit Misteln kann den Tod eines alten Obstbaumes erheblich beschleunigen

Die langsam wachsende Mistel fügt ihrem Wirt nicht sofort einen tödlichen Schaden zu. Meist siedeln sich die Halbschmarotzer jedoch auf bereits geschwächten, älteren Gehölzen an. Solchen Bäumen kann die Mistel auf Dauer schwer zusetzen, vor allem, wenn die Dichte der Besiedlung sehr hoch ist. Grundsätzlich bildet die Mistel mit ihrer besonderen Anpassungsform einen Bestandteil des natürlichen Ökosystems, auf dessen Erhalt andere Arten angewiesen sind - wie zum Beispiel die Misteldrossel, deren Vorliebe für die weißen Beeren der Mistel namensgebend für die größte der heimischen Drosseln war. Legt man jedoch Wert darauf, dass ein alter Obstbaum noch lange erhalten bleibt, sollte man bei der jährlichen Pflege darauf achten, ob sich Misteln angesiedelt haben, und sie im Fall des Falles entfernen.

Fotos: Alexandra Klemisch und pixabay.com