Gartentipp des Monats

Der Winter ist die Zeit der Ruhe - auch im Garten. Damit Pflanzen und Tiere gut über die kalte Jahreszeit kommen, ist es wichtig, den Garten nicht kahl zu räumen. Ganz nebenbei zaubern die Strukturen von Gräsern und Stauden auch im abgetrockneten Zustand wunderschöne Winterbilder.

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Ihre Ansprechpartner

Als Geschäftsführer des Kreisverbandes Bamberg sind wir für Sie am Landratsamt Bamberg tätig:

Kreisfachberater Uwe Hoff
Dipl.-Ing. (FH) Gartenbau
Tel. 0951/85-527
uwe.hoff@lra-ba.bayern.de

Kreisfachberaterin Alexandra Klemisch
Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsarchitektur
Tel. 0951/85-534
alexandra.klemisch@lra-ba.bayern.de

Kreisfachberaterin Claudia Kühnel
Dipl.-Ing. (FH) Gartenbau
Tel. 0951/85-515
claudia.kuehnel@lra-ba.bayern.de

Der Garten im Winter - Die Kunst des Bleibenlassens

Wenn die Erntezeit sich dem Ende zu neigt, das Laub von den Bäumen fällt, die Tage kürzer werden und sich mit den ersten Bodenfrösten der Winter ankündigt, geht das Gartenjahr in seine letzte Runde. Natürlich juckt es in den Fingern, wenn das sommerlich Schöne plötzlich braun und verwelkt da steht. Der Drang, jetzt einmal Ordnung in die Beete zu bringen, ist durchaus nachvollziehbar. Doch der Herbst ist nicht der ideale Zeitpunkt, im Garten "aufzuräumen"!

Herbstlaub schützt den Gartenboden und den Wurzelbereich der Pflanzen bei Kahlfrösten

Das radikale Kappen von Gehölzen führt niemals dazu, dass sie im folgenden Jahr gefühlt "weniger" Laub produzieren. Im Gegenteil, ein gesundes Gehölz reagiert auf radikalen Schnitt mit extremen Notaustrieben. Durch große Schnittwunden schafft sich ein übereifriger Gärtner nur Probleme, denn Pilze und andere Baumschädlinge finden hier Angriffspunkte. Die Folge sind Fäulnis, Gefährdung der Stand- und Bruchsicherheit und schließlich ein vorzeitiges Ende des Baums.

Selbst wenn der Gehölzschnitt fachgerecht durchgeführt wird: Während der winterlichen Ruhephase greifen die inneren Abschottungs- und Wundheilungsstrategien der Gehölze nicht. Das bedeutet reichlich Gelegenheit für Sporen und Keime, ihren Weg ins System zu finden. Deshalb schneidet man Obstbäume oder Ziersträucher im Garten besser erst im ausgehenden Winter, wenn sie vor dem Frühjahrsaustrieb stehen, denn dann laufen die internen Schutzmechanismen, die einen Befall mit Krankheitserregern verhindern, wieder an. Generelle Ausnahme sind Kirschen und Walnüsse: An diesen Gehölzen empfiehlt sich grundsätzlich nur ein Sommerschnitt (Juli, August).

Die hohe Fetthenne und das Garten-Reitgras sind auch im Winter attraktive Gartengäste

Auch eine Etage tiefer, im Blumenbeet, gibt es im Herbst nicht viel zu tun. Im Grunde darf alles, das nicht matscht oder fault, einfach bleiben, wo es ist. Trockene Gräser und die abgetrockneten Blütenstände von zahlreichen Gartenstauden verleihen dem winterlichen Garten Struktur und Gesicht. Besonders bei tiefem Sonnenstand, morgendlichem Raureif, Nebel oder Schnee bieten sich neue, zauberhafte Gartenbilder.

Selbst wer kein Auge für Entdeckungen dieser Art hat, sollte sich ins Gedächtnis rufen, dass das abgestorbene Pflanzenmaterial den Boden und die Wurzelbereiche der Pflanzen im Winter vor Witterungseinflüssen schützt. Erosion durch Wind oder Regen oder die Einwirkungen von harten Frösten bei fehlender Schneedecke werden durch eine Schicht aus toten Blättern und Stengeln abgefedert. Viele mediterrane Kräuter oder andere kälteempfindliche Pflanzen haben in unseren Breiten eine bessere Chance, gut über den Winter zu kommen, wenn ein Bett aus alten Blättern die härtesten Fröste und kältesten Winde fern hält.

Das heimische Tierleben ist dankbar, wenn der Garten im Herbst nicht komplett beräumt wird: Blattschöpfe von Ziergräsern oder Horste von Blütenstauden bieten zahlreichen nützlichen Insekten ein trockenes, windgeschütztes Überwinterungsquartier. In hohlen Stengeln abgestorbener Pflanzen überwintert die Brut von Wildbienen. Der aufgeschichtete Blätterhaufen am Fuß eines alten Baumes beherbergt mit ein wenig Glück einen Igel. Das Astgewirr einer dichten Hecke bietet Singvögeln Deckung vor Feinden und Schutz vor den Elementen. Letzte Beeren, die noch in den Sträuchern zu finden sind, dienen als Winterfutter.

Formschnittgehölze und Einzelobjekte sind Hingucker im winterlichen Garten

Aus gestalterischer Sicht haben besonders im winterlichen Garten ordnende Elemente wie Formschnittgehölze oder attraktive Einzelobjekte wie Skulpturen ihren großen Auftritt. Eine bewusste, punktuelle Verwendung solcher Hingucker erzeugt eine ausgewogene Raumwirkung. Den Grundsatz "Weniger ist mehr" sollte man dabei durchaus beherzigen, denn zu viel "Deko" verwirrt das Auge und strengt an.

Ein echter optischer Genuss sind in der laublosen Zeit Gehölze mit attraktiven Rindenfärbungen, angefangen bei den hellen Stämmen von Birken, über den oft verwendeten Purpur-Hartriegel (Cornus alba 'Sibirica') mit kräftig roter Rinde bis zu heimischen Weidenarten, deren junge Triebe in Nuancen von grün über gelb bis purpur leuchten. Damit der Effekt gut zur Geltung kommt, ist ein Standort ideal, den auch die tief stehende Wintersonne erreicht.

Zaubernuss - Hamamelis mollis

Unerwartet erscheinen die wenigen Pflanzen, die bereits in den Wintermonaten Blüten ansetzen, allen voran die Christrose (Helleborus niger). Die in den Alpen heimische Wildstaude blüht von Januar bis März, einige Sortenauslesen schon ab November. Sie bevorzugt kalkhaltige Böden. Unter den Gehölzen trumpft besonders die aus Asien stammende Zaubernuss (Hamamelis mollis, Hamamelis intermedia) mit einer erstaunlich frühen Blüte auf. An geschützten Plätzen leuchten ab Ende Januar ihre fadenartigen Blütenblätter goldgelb, oft im Zusammenspiel mit den letzten Schneehäubchen.

Wenn der Winter sich schließlich im Februar oder März langsam verabschiedet, die Tage länger werden und die ersten Frühlingsblumen aus dem Boden spitzen, kann mit wenigen Handgriffen das über den Winter spröde gewordene, abgestorbene Pflanzenmaterial von den Beeten entfernt werden. Dann ist auch die richtige Zeit, den Kompost umzusetzen oder einen Pflegeschnitt an Bäumen und Sträuchern durchzuführen.